Die Stadt München und der Umgang mit dem Eisner-Landauer-Grab – Wir haben einen Erfolg zu melden!

1933 zerstörten die Nazis die Gräber von Kurt Eisner und Gustav Landauer und stellten die Urnen auf die Mauer des Neuen Israelitischen Friedhofs. Beide waren zwar nicht Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde, aber die IKG hat notgedrungen oder aus menschlichen Erwägungen dennoch die Pflege des Grabes übernommen.

Die Bemühungen unseres Vereins, bei der Stadt München zu erreichen, dass sie das Eisner-Landauer-Grab zum Ehrengrab erklärt und die Grabpflege übernimmt, zogen sich längere Zeit hin. Im August 2020 erhielten wir nun endlich eine teilweise postive Nachricht von Herrn OB Reiter. Mehrere Monate überprüfte das Direktorium der Stadt ein Dokument des Stadtarchivs, worin der Beauftragte für Kultur der Stadt München, Prof. Hans Ludwig Held, am 25. September 1946 schrieb, dass die auf Beschluss des Nazi-Stadtrats und des NS-Oberbürgermeisters Fiehler 1933 geschändeten Gräber Kurt Eisners und Gustav Landauer „als Ehrengrab geführt“ wurden.

Das andere Bayern hatte die Stadtverwaltung gebeten, das Doppelgrab mit den Urnen Kurt Eisners und Gustav Landauers auf dem Neuen Israelitischen Friedhof zum Ehrengrab der Landeshauptstadt zu erklären und somit der Grabschändung der Nazis ein deutliches Zeichen entgegenzusetzen. Dies entspräche auch dem Wunsch der Enkel Kurt Eisners und der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde, Charlotte Knobloch.

Der Kulturbeauftragte Münchens schrieb 1946, bei der Grabschändung von 1933 „  … handelt es sich selbstverständlich bei dem Verfahren der nationalsozialistischen Stadtverwaltung um den Ausdruck ihrer antisemitischen Gesinnung.“

Wir halten es für einen selbstverständlichen und politisch notwendigen Akt der heutigen Stadtverwaltung gegen den alten und aktuellen Antisemitismus, ohne weiteres Zögern das Doppelgrab zum Ehrengrab zu erklären.

Im April 2019 erteilte uns Herr OB Reiter zunächst eine Ablehnung mit der Begründung: „Die Landeshauptstadt München übernimmt üblicherweise keine Gräber ehemaligerMiniterpräsidenten oder Staatsminister in ihren Unterhalt. Fälle, in denen die Landeshauptstadt München Gräber ehemaliger Ministerpräsidenten in ihren Unterhalt übernommen hat, genannt seien hier Wilhelm Hoegner und Alfons Goppel waren Ehrenbürger der Landeshauptstadt München“. Ehrenbürger der Stadt München kann Kurt Eisner nach Aussage der Stadt leider nicht werden, da diese Ehre nur lebenden Personen zuteil wird.

Im August 2020 hat sich die Stadt doch überwunden und die Notwendigkeit anerkannt, den Beschluss des nationalsozialistischen Stadtrats von 1933 aufzuheben. Wie es im Schreiben von Herrn OB Reiter heißt, möchte die Landeshauptstadt München “ hier ein Zeichen der Wiedergutmachung setzen und nimmt deshalb, in Absprache mit der lsraelitischen Kultusgemeinde, das Doppelgrab von Kurt Eisner und Gustav Landauer in den städtischen Unterhalt auf. Die Landeshauptstadt München trägt somit künftig Sorge dafür, dass deren letzte Ruhestätte in würdigem Zustand erhalten wird. Die Restauration des Grabsteins sowie aktuell anstehende Grabpflegearbeiten wurden bereits in Auftrag gegeben.